04.01.2017

„Herausforderungen für die Gesellschaft sind nur gemeinsam zu lösen“

Jahresrückblick des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes

Auch in diesem Jahr nutzt der Vorstand des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Mittelhessen (agvm) die letzten Tage des Jahres, um die wichtigsten Themen 2016 noch einmal Revue passieren zu lassen. Der Verband blickt dabei auf zwölf Monate zurück, die von einer Vielzahl an herausfordernden Ereignissen wie dem Bürgerkrieg in Syrien oder dem Brexit geprägt waren. Zudem kritisiert Klaus-Achim Wendel, Vorsitzender des agvm weitere wirtschaftspolitische Unwägbarkeiten, welche die Bundesregierung trotz Warnungen maßgeblich mitverantwortet hat:

„Besonders die aktuelle Diskussion um unser Rentensystem hat die Arbeitgeber 2016 stark beschäftigt. So macht Arbeitsministerin Nahles kostenintensive Versprechungen zu Rentenbezugsdauer und Rentenhöhe, ohne jedoch über eine realistische Gegenfinanzierung nachzudenken. Am Ende können solche Pläne nur mit ständig steigenden Rentenbeiträge von über 25% finanziert werden. Eine Entwicklung, die nicht nur die Kaufkraft der Arbeitnehmer massiv einschränkt, sondern gleichzeitig auch die Lohnkosten weiter erhöht. An dieser Stelle fehlt ebenso der Blick für die harte Realität wie bei den Forderungen an die Arbeitgeber nach größerer Bereitschaft für die Einführung von Betriebsrenten. Solange die finanzpolitischen Rahmenbedingungen nicht angepasst werden, bleiben Unternehmen mit betrieblicher Altersversorgung weiterhin doppelt benachteiligt: zum einen durch die hohen Rückstellungen in der aktuellen Niedrigzinsphase, zum anderen durch die Versteuerung von nicht realisierten Scheingewinnen. Hier sehen wir derzeit massiven Handlungsbedarf um kurzfristig dafür zu sorgen, dass Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun wollen, nicht auch noch steuerrechtlich abgestraft werden.“

Besonders angesichts der großen Herausforderungen durch die notwendige Integration der vielen Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt, fordern die heimischen Arbeitgeber weniger Regulierung und mehr Unterstützung durch die Politik. Fritz Georg Rincker, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, erläuterte: „Mit der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 € und der Neuausrichtung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) werden im Jahr 2017 weitere Hürden im Arbeitsmarkt aufgebaut. Die ersten Integrationsmaßnahmen für geflüchtete Menschen haben in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass die schnelle Einmündung in Arbeit oder Ausbildung nur in Ausnahmefällen und dann meist nicht ohne geeignete Unterstützung realisierbar ist. Zu groß sind die Sprachbarrieren und die häufig fehlende Berufsorientierung. Gerade hier müssen wir uns Gedanken machen, wie wir die Einstiegshürden so absenken, dass nicht am Ende sowohl bei den Flüchtlingen, als auch bei den potentiellen Arbeitgebern Unsicherheit und Frust entstehen. Erste Erfolge, aber auch die Schwierigkeit einer zeitnahen Integration, zeigt beispielsweise das Projekt „Wirtschaft integriert“ mit dem unserer Bildungswerk der hessischen Wirtschaft derzeit hessenweit Teilnehmer aus verschiedenen Herkunftsländer über eine gezielte Berufsorientierung auf eine Duale Ausbildung vorzubereiten versucht. Diese Erfahrungen machen deutlich, dass wir in Zukunft stärker darüber nachdenken müssen, wie wir an geeigneter Stelle den Einstieg in unseren Arbeitsmarkt erleichtern. In Zeiten des Fachkräftemangels hilft es wenig, mit weiteren Regulierungen dafür zu sorgen, dass dem Großteil der vielen zu uns geflüchteten Menschen der Zugang zu einer beruflichen Tätigkeit verwehrt bleibt.“

Der zweite stellvertretende Vorsitzende des agvm, Bernd Michael Müller, sieht gerade in dem Fachkräftethema auch ein wichtiges Feld für die Arbeit des Verbandes: „Die Suche nach guten Mitarbeitern stellt unsere Betriebe schon länger vor große Herausforderungen. Besonders im Bereich der gewerblich-technischen Berufe wird es immer schwieriger, gute Bewerber für die dualen Ausbildungsberufe zu finden. Aus diesem Grund möchten wir als Verband die mittelhessischen Schulen weiterhin bei der herausfordernden Aufgabe der Berufsorientierung von Jugendlichen unterstützen. Um hier nicht nur die verschiedenen Berufsbilder mit Leben zu füllen, sondern auch ökonomische und unternehmerische Grundbegriffe praxisorientiert zu vermitteln, haben wir unsere Kooperation mit dem renommierten Junior-Projekt ausweiten. Dabei werden Schulen umfänglich bei der Einrichtung von eigenen Schülerfirmen begleitet. Das deutschlandweite Konzept des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft gewährt dabei praktische Einblicke in die Abläufe eines Unternehmens und gibt den Schülerinnen und Schülern eine ganz reale Gelegenheit gemeinsame wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen und deren Auswirkungen einzuordnen. Ein Ansatz, der im Verbund mit anderen Instrumenten wie den Betriebspraktika, Wettbewerben und Betriebsbesuchen eine erfolgsversprechende Berufsorientierung möglich macht.“