22.09.2017

Mittelhessische Arbeitgeber stellen Forderungen an die Politik

Vortragsveranstaltung des Allgemeinen Arbeitgeberverbands mit Prof. Guido Knopp

Herborn. Traditionell hatte der Allgemeine Arbeitgeberverband Mittelhessen (agvm) Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu seiner jährlichen Vortragsveranstaltung in die Kulturscheune nach Herborn eingeladen. Kurz vor der Bundestagswahl gaben die Unternehmer den Anwesenden einen kurzen Überblick über ihre wirtschafts- und sozialpolitischen Forderungen an die Politik. „Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten“

Der Vorsitzende des Verbandes, Klaus-Achim Wendel, erläuterte an ausgewählten Beispielen, welche Themen aus Sicht der heimischen Wirtschaft von einer zukünftigen Regierung dringend angegangen werden müssen.

So verwies er bei der Digitalisierung darauf, dass diese in den kommenden Jahren in allen Lebensbereichen für Veränderungen sorgen wird. Als eine der wirtschaftlich stärksten Nationen der Welt sei Deutschland zwingend darauf angewiesen, erfolgreich in die digitale Zukunft zu starten.

Hierbei würden aber nicht nur der Breitbandausbau und die gezielte Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter in den Betrieben eine Rolle spielen, sondern auch eine lange überfällige Entbürokratisierung. Wendel kritisierte hier deutlich die Tatsache, dass sich Unternehmen, im Dschungel von Verordnungen und Gesetzen, immer mehr mit der Verwaltung ihrer unternehmerischen Tätigkeit beschäftigen müssten, anstatt sich um die Erzeugung von wettbewerbsfähigen Produkten und Dienstleistungen zu kümmern.

Im Bereich der Elektromobilität warnte er vor einer zu schnellen Festlegung auf den elektrischen Antrieb als einzige Antriebstechnik der Zukunft. Bei aller Begeisterung für Elektroautos dürfen wir die Potentiale anderer Technologien wie dem Wasserstoffauto oder der Nutzung von Brennstoffzellen nicht einfach ignorieren.

In der Sozialpolitik erneuerte der Vorsitzende die Kritik an der Rente mit 63. Er forderte stattdessen die ordnungsgemäße Umsetzung der beschlossenen Rente mit 67 sowie eine weitere Stärkung privater und betrieblicher Altersvorsorge.

„Donald Trumps Amerika – die USA und wir“

Den abendlichen Vortrag gestaltete in diesem Jahr der bekannte ZDF-Historiker Prof. Dr. Guido Knopp. Der Autor und Publizist nahm die Gäste des Abends unter der Überschrift „Donald Trumps Amerika – die USA und wir“ mit auf eine Reise durch die ersten Monate unter dem neuen US-Präsidenten.

Ausgehend vom Wahltag verdeutlichte er, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschen in Amerika am Ende doch den Republikaner und Unternehmer Trump und nicht die favorisierte Demokratin und Berufspolitikerin Clinton gewählt hatten.

Immer wieder ergänzt um persönliche Erfahrungen seiner USA-Aufenthalte erläuterte er die aktuellen Probleme in der nach seiner Aussage stark gespaltenen amerikanischen Gesellschaft: Migration, die freie Verfügbarkeit von Schusswaffen und die hohen Kosten für eine gute Schulbildung waren hier nur einige Beispiele.

Den zweiten Teil seiner Ausführungen nutzte der Historiker dazu, den Bogen über den Atlantik hin zu den Auswirkungen einer veränderten amerikanischen Außenpolitik auf uns hier in Europa zu spannen. Auch in diesem Jahr bekamen die über 100 Gäste dann zum Abschluss noch einmal die Gelegenheit, Fragen an den Referenten zu stellen.