07.01.2020

Rückblick des Unternehmerverbands Mittelhessen auf das Jahr 2019

„Wir brauchen steuerliche Entlastungen und mehr Flexibilität“

Den Jahreswechsel nimmt der Vorstand des Unternehmerverbandes Mittelhessen (UVM) zum Anlass, um die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen 2019 noch einmal kritisch zu beleuchten. „Wir blicken auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Es wurden etliche neue Gesetze verabschiedet, deren Folgen die mittelhessischen Betriebe zu spüren bekommen“, resümiert Klaus-Achim Wendel, der Vorsitzende des Verbandes. „Für großen Unmut hat bei unseren heimischen Unternehmern die im November vom Bundestag beschlossene Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags gesorgt. Dieses Vorgehen entlastet am Ende nur ausgewählte Kreise von Steuerzahlern und benachteiligt gleichzeitig Unternehmer und Selbstständige. Diese werden somit trotz ihrer hohen Beitragsleistung abgestraft.“  Eine weitere Sorge der Unternehmer seien die ständigen Steigerungen bei den Lohnnebenkosten. „Mit der nun vorgestellten Grundrente wird die bereits seit längerem von uns kritisierte Politik, die eindeutig auf das Wohlwollen der älteren Generationen fokussiert ist, fortgesetzt. Neben der Tatsache, dass es ungerecht ist immer neue Lasten auf unsere Kinder und Enkel abzuwälzen, führen Wahlgeschenke wie die Rente mit 63 oder eben jetzt die Grundrente zeitnah dazu, dass die Sozialbeiträge in Deutschland die wichtige 40-Prozent-Marke reißen und somit die Lohnkosten immer weiter steigen. Gerade weil die aktuell zu beobachtende konfrontative Handelspolitik auf den internationalen Märkten den Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe weiter erhöht, ist eine solche Entwicklung unverantwortlich. Die Wirtschaft benötigt vielmehr genau jetzt steuerliche Entlastungen und stabile Sozialbeiträge, um rasch in Maßnahmen für eine erfolgreiche Digitalisierung und die Weiterbildung der Mitarbeiter investieren zu können“, erläutert Wendel.

Verband begrüßt neues Gesetz zur Fachkräfteeinwanderung

Fritz Georg Rincker, stellvertretender Vorsitzender des UVM, beunruhigen die Auswirkungen des Fachkräftemangels. Der Unternehmer aus Sinn begrüßt deshalb ausdrücklich das neue Gesetz zur Fachkräfteeinwanderung: „Wir freuen uns, dass das Gesetz seine dringend notwendige Reform erhalten hat und am 1. März 2020 in Kraft tritt. Die Bundesregierung ermöglicht dadurch eine gesteuerte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften, die keine EU-Bürger sind. Diese dürfen künftig, sofern sie über eine in Deutschland anerkannte Qualifikation verfügen, einreisen und einen Job suchen.“ Die Facharbeiter aus den Drittstaaten würden in erster Linie für die Berufe gewonnen, deren Nachfrage nicht ausreichend durch die inländischen Arbeitskräfte abgedeckt sei. „Durch den demografischen Wandel und die zunehmende Akademisierung der Gesellschaft bekommt die mittelhessische Wirtschaft den Mangel an geeigneten Fachkräften bereits deutlich zu spüren. Natürlich wird sich diese Herausforderung nicht alleine durch ausländische Fachkräfte lösen lassen. Vielmehr müssen wir gemeinsam mit der Politik und der Arbeitsverwaltung alle vorhandenen Potentiale unseres Arbeitsmarktes heben und besonders im Bereich der Berufsorientierung an Schulen weiter am Ball bleiben“, so Rincker weiter.

Politik muss Unternehmen bei Bewältigung der digitalen Transformation unterstützen

Jürgen Timm, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, sieht in der Digitalisierung eine große Herausforderung für die hier ansässigen Unternehmen: „Wir fordern von der Politik, dass sie uns bei der Bewältigung der digitalen Transformation unterstützt und den Breitbandausbau in Mittelhessen flächendeckend vorantreibt. Für unsere mittelständisch geprägte Region ist es immens wichtig, dass der Wirtschaftsstandort zwischen Lahn und Dill auch langfristig attraktiv und zukunftssicher bleibt. Um digitale Methoden und Anwendungen optimal nutzen zu können, werden dringend ausreichend schnelle Internetleitungen und die Entwicklung einer 5G-Infrastruktur benötigt. Mit der Versteigerung der 5G-Mobilfunk-Frequenzen durch die Bundesnetzagentur ist in den vergangenen Monaten bereits ein erster wichtiger Schritt getan worden. Außerdem kann die Digitalisierung auch im sozialpolitischen Bereich für Verbesserungen sorgen. So sollte die elektronische Kommunikation und Datenübermittlung zwischen Arbeitgebern und Sozialversicherungsträgern ebenso zum Mindeststandard werden, wie die Vereinheitlichung von Versichertennummer und Steuer-Identifikationsnummer. Dann wäre es endlich möglich, dass alle einmal vom Arbeitgeber gemeldeten Daten sowohl den Sozialleistungsträgern als auch der Finanzverwaltung zur Verfügung stehen. So reduziert sich der Bürokratie- und Kostenaufwand nicht nur bei den Arbeitgebern, sondern auch bei den Empfängern der Meldungen“, so Timm abschließend.