30.09.2026

Unternehmerverband Mittelhessen fordert Entlastungen bei Steuern und Sozialabgaben sowie flexiblere Arbeitszeiten

v.l.: Maik Wiegelmann, Fritz Georg Rincker, Katrin-Cécile Ziegler, Klaus-Achim Wendel und Sascha Drechsel

Vortragsabend mit Katrin-Cécile Ziegler zum Thema „Das neue Wir. Mensch und KI“

Zum jährlichen Vortragsabend konnte der Unternehmerverband Mittelhessen zahlreiche Besucherinnen und Besucher in der Kulturscheune Herborn begrüßen. Der Vorsitzende Klaus-Achim Wendel eröffnete die Veranstaltung und nahm in seiner Ansprache Bezug auf zentrale wirtschaftspolitische Herausforderungen, die die heimischen Betriebe zunehmend belasten. Dabei verwies er insbesondere auf die Steuerpolitik, steigende Sozialversicherungsbeiträge und die notwendige Modernisierung des Arbeitszeitrechts.

„Die Bundesregierung will den Wirtschaftsstandort stärken. Gleichzeitig drohen mittelständischen Unternehmen neue steuerliche Belastungen. Das passt nicht zusammen“, kritisierte Wendel. Die geplante stärkere Besteuerung im Rahmen der sogenannten „Reichensteuer“ treffe keineswegs nur vermögende Privatpersonen, sondern auch zahlreiche familiengeführte Unternehmen und Personengesellschaften. „Viele Mittelständler versteuern ihre Gewinne über die Einkommensteuer und lassen diese Mittel im Unternehmen, um in Maschinen, Digitalisierung, Dekarbonisierung oder Forschung und Entwicklung zu investieren. Wer diese Unternehmen zusätzlich belastet, entzieht ihnen Geld für genau die Zukunftsinvestitionen, die unser Standort jetzt dringend braucht. Unsere wirtschaftspolitische Aufgabe muss lauten: Investitionen fördern, Unternehmen steuerlich entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes nachhaltig stärken“, so der Vorsitzende.

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Unternehmerverband auch bei den Sozialversicherungen. Die Lohnnebenkosten lägen inzwischen bei mehr als 42 Prozent und belasteten Unternehmen wie Beschäftigte gleichermaßen. „Arbeit wird immer teurer. Beschäftigte haben weniger Netto vom Brutto und Unternehmen müssen unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation immer höhere Kosten schultern“, erklärte Wendel. Zusätzliche Belastungen durch steigende Beitragsbemessungsgrenzen verschärften die Situation weiter. „Unser Ziel muss sein, die Sozialversicherungsbeiträge zu stabilisieren und dauerhaft unter 40 Prozent zu halten.“

Als dritten Schwerpunkt nannte Wendel die Modernisierung des Arbeitszeitrechts. Mobile Arbeit, digitale Prozesse und projektbezogene Tätigkeiten hätten die Arbeitswelt grundlegend verändert. „Unser Arbeitszeitrecht muss endlich mit der betrieblichen Realität Schritt halten. Es geht ausdrücklich nicht darum, länger zu arbeiten, sondern Arbeitszeit flexibler verteilen zu können“, betonte der Unternehmer. Davon könnten beide Seiten gleichermaßen profitieren: Betriebe könnten Auftragsspitzen besser bewältigen und Beschäftigte Beruf, Familie und private Verpflichtungen flexibler miteinander vereinbaren. „Wir brauchen praktikable Regeln, die Vertrauen schaffen und den Betrieben echte Gestaltungsspielräume eröffnen.“

Anschließend widmete sich der Vortragsabend dem Thema „Das neue Wir. Mensch und KI“. Katrin-Cécile Ziegler nahm verbreitete KI-Mythen unter die Lupe und zeigte Chancen, Herausforderungen und Risiken der technologischen Entwicklung auf. Entscheidend sei dabei stets die Frage, wer von einer Entwicklung profitiere. Je mehr Aufgaben durch KI übernommen werden könnten, desto wichtiger werde zugleich die menschliche Verantwortung. „Eine der größten Gefahren der KI für unsere Gesellschaft ist die Einsamkeit. Denn wenn künstliche Intelligenz rundum perfekt ist und sie in allen Bereichen des Lebens zurate gezogen wird, werden zwischenmenschliche Beziehungen immer schwieriger und unsere Netzwerke werden verschwinden.“ Ziegler betonte aber auch, dass gleichzeitig große Chancen von KI, etwa in Gesundheit und Bildung, noch zu wenig diskutiert und genutzt würden. „Kapital fließt nun mal dorthin, wo der Rückfluss schnell ist. Nicht dorthin, wo der Wert groß ist. Wo einer profitiert, geht es schnell. Wo viele profitieren, passiert nichts.“ Das Fazit der KI-Ökonomin lautete daher: Genau hinsehen, Potenziale ausschöpfen und dabei den Menschen und das Miteinander nicht aus dem Blick verlieren. Denn: „Netzwerke sind wie eine Infrastruktur. Sie halten unsere Gesellschaft zusammen.“

 

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